Gold erneut auf Rekordniveau: Ein Ausnahmejahr mit strukturellem Rückenwind

Gold hat 2025 ein Ausrufezeichen gesetzt. Mit Kursen oberhalb von 4.400 US-Dollar je Feinunze erreichte das Edelmetall ein neues Allzeithoch und zählt damit zu den stärksten Anlageklassen des Jahres. Auf Jahressicht ergibt sich ein Plus von rund 68 Prozent, die beste Jahresperformance seit mehreren Jahrzehnten.

Für viele Anleger ist Gold damit erneut stärker in den Fokus gerückt. In einem Umfeld hoher Aktienbewertungen, anhaltender geopolitischer Spannungen und wachsender Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs großer Notenbanken hat sich Gold als stabiler Portfolio-Baustein bewährt.

 

Warum Gold 2025 so stark performt hat

Die Goldrallye ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Besonders entscheidend waren:

  • sinkende Realzinsen infolge von Zinssenkungserwartungen
  • ein zeitweise schwächerer US-Dollar
  • geopolitische und handelspolitische Risiken
  • eine ausgeprägte Nachfrage nach Absicherung 

Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, profitieren Investoren vor allem dann, wenn reale Renditen unter Druck geraten. Genau dieses Umfeld prägte große Teile des Jahres 2025.

 

Zentralbanken als langfristiger Stabilitätsfaktor

Ein zentraler Unterschied zu früheren Goldrallyes liegt in der Rolle der Zentralbanken. Notenbanken haben ihre Goldkäufe in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, insbesondere in Schwellenländern. Länder wie China, Polen oder die Türkei stockten ihre Reserven spürbar auf.

Laut Analysen der Europäischen Zentralbank entfielen zuletzt mehr als 20 Prozent der weltweiten Goldnachfrage auf Zentralbanken. Diese Käufe gelten als struktureller Nachfrageanker und entfalten eine starke Signalwirkung für institutionelle Investoren.

 

Investmentnachfrage bleibt breit abgestützt

Neben den Zentralbanken spielte auch der Investmentbereich eine tragende Rolle. Gold-ETFs verzeichneten vor allem im zweiten Halbjahr kräftige Zuflüsse. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach physischen Anlagen wie Barren und Münzen hoch.

Auffällig ist, dass die Rallye nicht primär von kurzfristiger Spekulation getragen wurde, sondern von strategischen Allokationsentscheidungen. Viele Investoren nutzen Gold gezielt zur Diversifikation, um Portfolios widerstandsfähiger gegenüber Marktrisiken zu machen.

 

Deutschland als stabiler Absatzmarkt

Deutschland zählt weiterhin zu den wichtigsten Goldmärkten weltweit. Gold genießt hierzulande hohes Vertrauen und profitiert von steuerlichen Vorteilen. Studien zeigen, dass ein großer Teil der Anleger bereits Erfahrung mit Goldinvestments hat.

Neben dem Inflationsschutz spielen auch langfristige Werterhaltung und Unabhängigkeit von Geldpolitik eine zentrale Rolle für die Nachfrage.

 

Angebot bleibt begrenzt: Recycling gewinnt an Bedeutung

Auf der Angebotsseite blieb die Minenproduktion 2025 weitgehend konstant. Neue Projekte benötigen häufig 15 bis 20 Jahre bis zur Produktionsreife. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Umwelt- und Sozialstandards.

Recyclinggold gewinnt daher weiter an Bedeutung. In Deutschland stammt Feingold inzwischen nahezu vollständig aus Recyclingprozessen, ein Trend, der das Angebot flexibler macht, ohne qualitative Einbußen.

 

Solides Fundament, steigende Sensibilität

Für 2026 erwarten viele Marktbeobachter ein weiterhin unterstützendes Umfeld. Sinkende Zinserwartungen, geopolitische Risiken und eine robuste Zentralbanknachfrage sprechen für einen festen Goldpreis. Gleichzeitig dürfte der Markt sensibler auf geldpolitische Signale reagieren, was die Volatilität erhöhen kann.